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Nordsee pur!

Nordsee pur!

„Urlaub machen, das ist wunderbar …“

von Petra Uhlmann | 05.2015

Das dachten sich auch Mitglieder des Vereines „Leben mit Demenz“ der Alzheimergesellschaft Kreis Minden-Lübbecke, als sie vor mehr als einem Jahr begannen, eine bewegungsorientierte Freizeit für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen auf der NordseeInsel Langeoog zu planen. Auf Langeoog hat der Kirchenkreis Minden ein Selbstversorgerhaus mit einfachen Zimmern und gemütlichen Gemeinschaftsräumen – das Haus Mariensee. Die Insel selbst ist autofrei und traumhaft ruhig – wie geschaffen für Menschen, die aus der hektischen Zeit aussteigen wollen oder ausgestiegen sind.
Nur im April gab es im Haus Mariensee noch einige freie Tage. Das ganze Jahr war bereits ausgebucht.

Und man mag es kaum glauben: sage und schreibe 10 Ehepaare und 2 einzelne Betroffene meldeten sich binnen kürzester Zeit zu dieser viertägigen Freizeit an. Und doch ist es kein Wunder: Initiator Hartmut Schilling und seine ehrenamtlichen Begleiter haben seit Jahren durch Gesprächskreise, sensible Öffentlichkeitsarbeit und unterschiedlichste Aktionen auf sich aufmerksam gemacht und längst das Vertrauen der durch die Diagnose Demenz verunsicherten Menschen erworben.
„Man muss lernen, was geht und was nicht mehr, darf aber nicht vergessen, dass es bei jedem einzelnen Betroffenen noch ungeahnte, ganz individuelle Potentiale gibt.“ Hartmut Schilling hat gelernt, dass die Zahl der Anmeldungen für eine Reise, weit weg vom vertrauten Heim, nur eine erste Orientierung sein kann. „Wer wirklich mitkommt, weiß ich bis zum Anreisetag nicht. Immer kann etwas dazwischen kommen, die persönliche Verfassung kippen, Kreislaufprobleme auftauchen oder eine plötzliche Einweisung in die Klinik erfolgen.“ Auch für die Familien ist es schwierig, so weit im Voraus zu planen. „Ohne persönliche Kontakte, ständige Gespräche am Telefon und gegenseitiges Vertrauen geht nichts. Wir müssen einfach flexibel sein und stets bereit, Konzepte und Pläne anzupassen oder zu verwerfen.“
Das Wichtigste aber war, dass es einige wenige Tage gab, die Ruhe und Zeit für alle brachten, für die Betroffenen selbst, die Angehörigen und die Gemeinschaft. „Eigentlich erwarten wir nichts mehr, leben im Hier und Jetzt und sind für die kleinen Wunder des Tages und der Beziehung besonders dankbar.“ „So köstlich wie das Essen war und dass man sich so liebevoll um meinen Mann gekümmert hat, sodass mir Zeit für mich verblieb, dafür bin ich besonders dankbar. Nur mit meinem Mann einen Sanddorngrog trinken, ist schon mehr als ich mir gewünscht hätte. Und auch der Wettergott hatte ein Einsehen mit uns. So viel Sonne, Meer und Sand!!!“

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