Willkommen Mutter!

Willkommen Mutter!

Willkommen Mutter!

| von Petra Uhlmann : 03/2012
Liebevoll füttert die 94-jährige Maria M. die aufgedruckten Kätzchen auf dem vor ihr liegenden Platzdeckchen. Es gibt Gulasch und selbstgemachte Spätzle.
„Das ist schon immer Mutters Lieblingsgericht gewesen. Auf der Speisekarte ihrer eigenen Gastwirtschaft stand es an oberster Stelle.“
Tochter Marianne beugt sich zu ihr und empfängt ein Lächeln. Seit nunmehr einem Jahr wohnt Maria M. bei ihren Töchtern Marianne (58) und Hildegard (62) in Linz. Abwechselnd wird sie von beiden umsorgt, gepflegt und bekocht.

„Mitunter wissen wir gar nicht, ob sich Mutter nun zurück oder weiter entwickelt, erfahren das Leben mit ihr als Verschwendung und dann wieder als Ewigkeit. Wir reden mit ihr und gleich darauf vergisst sie, dass wir da sind. Wir können ihr nun sagen, dass wir sie lieben und streicheln einander. Das wäre früher nie möglich gewesen. Sie ist glücklich, wenn wir sie bei den Händen nehmen, mit ihr lachen, Späße machen und sie in unserer Mitte halten. Da fühlt sie sich beschützt und empfindet vielleicht, dass auch wir geschützt sind. Ihre Finger müssen nicht mehr zur Beruhigung durch den Rosenkranz gleiten. Wir können unsere Mutter entdecken lernen – es ist ein absichtsloses Beobachten geworden.“

Auszug aus: „Willkommen Mutter“ von Petra Uhlmann,
veröfftl. u.a. in: demenz.Das Magazin, Ausgabe 16.2013 „Gefühle“,
Verlag Brinkmann/Meyhöfer Hannover, www.demenz-magazin.de

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